Ehrenamtlich im Generationenhaus

Manche unserer Bewohnerinnen und Bewohner hätten gerne mehr Besuche und Kontakte. Dank der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Besuchsdienstes können solche Wünsche in Erfüllung gehen.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nehmen sich Zeit für die älteren Menschen. Sie

  • hören zu
  • begleiten zum Arzt
  • übernehmen kleine Besorgungen
  • helfen bei schriftlichen Sachen
  • gehen mit spazieren
  • lesen vor, singen Lieder, spielen Spiele
  • begleiten zu Veranstaltungen.

Die Begegnung bereichert beide Seiten.

Wir unterstützen und begleiten unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch regelmäßige Treffen zum Austausch und zur Fortbildung.

Singen und vorlesen - zwei Beispiele für ehrenamtliches Engagement im Luise-Schleppe-Haus

"Mit dem Singen bereite ich Freude. Ich mache es sehr gerne!"

Annemarie Munk gibt den Takt vor und los geht’s: „Kein schöner Land, in dieser Zeit…“ schallt es durch den Raum. Rund 20 Seniorinnen und Senioren haben sich im Gemeinschaftsraum des Wohnbereiches versammelt. Sie treffen sich alle zwei Wochen zum „Singen mit Frau Munk“.

„Ich habe mein Leben lang gerne gesungen“, erzählt Annemarie Munk, „in meinem Elternhaus, im Sportverein, bei Freizeiten.“ Die Seniorin engagiert sich seit 10 Jahren für andere Senioren, zuerst im Schloss, jetzt im Luise-Schleppe-Haus. „Ich bin kein Mensch der rumsitzen kann“, ruft sie und wirbelt durch den Raum. Sie begrüßt jeden Bewohner persönlich, schenkt hier ein Lächeln, hält dort ein kleines Schwätzchen. „Ich bin zum Singen da, net zum Schwätze!“ beschwert sich ein Bewohner. „Wir fangen gleich an“, beruhigt sie den Herrn und verteilt ihre Liederbücher. Die Hefte wurden speziell für die Singstunde angeschafft. Sie enthalten Volkslieder, Fahrtenlieder und Schlager, die der Generation der Bewohner bekannt sind. Noten gibt es darin nicht, dafür aber Liedtexte in großer Schrift. Viele brauchen das Buch nicht, sie kennen die Lieder auswendig.

„Die alten Leute leben auf beim Singen“, freut sich Annemarie Munk. „Singen ist für sie Jugenderinnerung und Abwechslung im Alltag. Singen aktiviert. Singen bereitet Freude. Singen schafft Kontakt.“

Seit 50 Jahren lebt Annemarie Munk in Stammheim. Ihre Wohnung liegt ganz in der Nähe des Luise-Schleppe-Hauses. „Ich bin froh, dass ich noch meine eigene Wohnung habe und mich und meinen Hund versorgen kann,“ sagt sie. Manchmal kommt sie sonntags mit Kuchen ins Heim, verbringt Zeit mit Bewohnern, die am Wochenende keinen Besuch bekommen. „Es ist kein Muss,“ sagt sie, „sondern ein Bedürfnis, von innen heraus.“ Auf die Bewohner zuzugehen, fällt ihr leicht. „Ich sag: Sie sehen heute gut aus. Dann freuen die sich.“

„Durch das Vorlesen bleibe ich auch selbst im Training.“

Jeden Montag um 10.00 Uhr kommt Ursula Ernst zum Vorlesen. Eine Gruppe Seniorinnen und Senioren um sich geschart, liest sie Texte, zu denen die Bewohner einen Bezug haben: Märchen, Geschichten von früher, Erzählungen aus der Jugendzeit ihrer Zuhörer.

Zu ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit kam Ursula Ernst durch eine öffentliche Lesung im Generationenhaus. Dagmar Gwiasda vom Sozialdienst des Luise-Schleppe-Hauses saß neben ihr. Die beiden Frauen kamen ins Gespräch. Ursula Ernst erzählte, dass sie Yoga-Kurse leitet. Die Sozialarbeiterin fragte sie, ob sie einen Yoga-Kurs im Luise-Schleppe-Haus anbieten möchte. „Yoga nicht, aber Lesen könnte ich mir vorstellen“, sagte sie spontan.

„Ich selbst profitiere ja auch selbst ein bisschen von dem Angebot, das ich im Luise-Schleppe-Haus mache,“ meint Ursula Ernst. Nach den Ferien möchte sie das Buch „Die Oma“ von Peter Härtling vorlesen. Das mag sie auch selbst gerne. „Wenn ich ein ganzes Buch oder längere Geschichten vorlese, dann lese ich in der Regel ein oder zwei Kapitel,“ erzählt sie. „Beim nächsten Mal referiere ich das Bisherige, so dass die Leute sich wieder erinnern. Das ist für mein Hirn auch nicht das Schlechteste!“

Am Anfang kamen oft sehr wenige Bewohner, nur drei oder vier. Dagmar Gwiasda hat sie ermutigt, das Angebot fortzusetzen, auch für wenige Menschen. Inzwischen ist die Vorlesestunde gut besucht. Zehn bis Fünfzehn Frauen und Männer kommen regelmäßig. „Immer wieder kommt von den Zuhörern spürbar etwas zurück. Aber das ist nicht das Kriterium für mich,“ sagt Ursula Ernst. „Ich bin zufrieden mit meinem Leben und habe das Gefühl, es geht mir gut. Deshalb möchte ich auch etwas umsonst weitergeben. Ich finde es schön, dass jetzt viele Bewohner zum Vorlesen kommen, aber ich will mich innerlich davon unabhängig machen. Ich mache ein Angebot. Das hat einen Wert an sich!“