Menschen im Luise-Schleppe-Haus

Menschen leben in unserem Haus. Menschen engagieren sich in unserem Haus. Wir stellen Ihnen einige vor.

"Die Kinder lassen mich aufleben!"

Bewohnerin der Jungen Pflege mit Kindern der Kindertagesstätte

Die 55jährige Silvia Mezger lebt auf dem Wohnbereich Junge Pflege im Luise-Schleppe-Haus. Zweimal in der Woche besucht sie die benachbarte Kindertagesstätte.

Die Kinder der Kindertagesstätte kennen Silvia Mezger gut. Wenn sie mit ihrem Rollstuhl über den Hof fährt, springen die Kinder gleich auf sie zu. Sie wollen die Hupe am Rollstuhl betätigen. Jeder darf einmal hupen, dann geht es zum Vorlesen..
„Ich habe mich für einen kaufmännischen Beruf entschieden. Da gab es leider nicht viel Kontakt zu Kindern. Das habe ich immer bedauert“, erzählt Silvia Metzger. „Jetzt habe ich diesen Kontakt hier gefunden! Das ist toll!"

Mit 5 Jahren hatte Silvia Mezger einen schweren Unfall. Seither ist sie querschnittgelähmt. Trotz ihrer Behinderung absolvierte Silvia Mezger eine kaufmännische Ausbildung. 30 Jahre lang arbeitete sie bei der deutschen Rentenversicherung. Nach dem Tod ihrer Eltern lebte sie allein. Als sich ihr gesundheitlicher Zustand verschlechterte, organisierte sie sich über einen privaten Pflegedienst eine Pflegekraft. Keine gute Lösung für sie. Sie fühlte sich von einer einzigen Person abhängig. Bei der Suche nach einer Alternative wurde sie in Stammheim fündig.


"Auf der Jungen Pflege kann ich meine Selbständigkeit leben“, sagt Silvia Mezger. "Die Pflegekräfte unterstützen bei Bedarf, sie bevormunden nicht. Frühstück und Abendessen werden als Buffet angeboten. Auch beim Mittagessen kann man auswählen. Ich erledige meine Besorgungen und meine Arztbesuche selbständig. Auch kleine Hausarbeiten übernehme ich gerne selbst. Gestern habe ich z. B. in meinem Badezimmer ein paar Kleidungsstücke gewaschen und die Wäsche danach selber aufgehängt."

Rührig und lebendig ist Silvia Mezger. Ihren Rollstuhl lenkt sie sicher und flink durch Haus und Garten. „Ich besitze seit über 30 Jahren den Autoführerschein, das hilft auch beim Rollstuhlfahren“, lacht sie. Neben den Besuchen in der Kindertagesstätte hat sie noch einen zweiten Job: Sie übernimmt Besorgungen für die Bewohner, die nicht mehr so mobil sind. Tempo-Taschentücher, Zigaretten, Schokolade, Obst u. ä. können bei ihr bestellt werden. Zuverlässige und freundliche Lieferung ist garantiert!

"Ich fahre jeden Tag in mein Gärtle, das ist nur 5 Minuten von hier."

Adolf Lörcher kam nach einer Lungenentzündung zur Kurzzeitpflege ins Luise-Schleppe-Haus. Er entschied sich, im Heim zu bleiben. In Kürze wird er 96 Jahre alt – was ihm keiner ansieht! Sein Rezept, um so fit zu bleiben: „Arbeit in der freien Natur!“

Adolf Lörcher führte einen landwirtschaftlichen Familienbetrieb in Stammheim. 10 Kühe und 500 Hühner beherbergte der Bauernhof in seiner besten Zeit.

„Vor dem Krieg hab ich Kartoffeln ins Schloss geliefert“, erzählt er. „Damals gab es noch einen Wassergraben und eine Zugbrücke. Schwester Luise und Schwester Anna führten das Schloss. Anna war recht forsch. Luise war eine ausgleichende Natur. Das war ein Idealzustand.“

Inzwischen ist der Hof aufgelöst. Adolf Lörcher besitzt weiterhin einen Garten, den er regelmäßig besucht. 40 Apfelbäume mit 20 verschiedenen Apfelsorten gibt es da. Die kann er alle aufzählen!

„Es ist ein Wunder, dass ich noch da bin, denn ich war doch in dem blödsinnigen Krieg,“ erzählt er und fügt hinzu: „Ich wäre auch nicht so alt geworden, wenn es die Möglichkeiten der modernen Medizin nicht gäbe. Vor einiger Zeit waren zwei Arterien verstopft. Die Ärzte haben mir Stents eingepflanzt. Das hat funktioniert.“ Jetzt verursacht eine Spinalkanalverengung Schmerzen. Operieren ist in seinem Alter nicht mehr möglich. Der Arzt empfiehlt Ruhe. „Nix schaffe, das ist für mich eine Strafe“, meint er - und geht trotz Beschwerden jeden Tag in sein Gärtle.

Adolf Lörcher ist auch im Bewohnerbeirat aktiv. Dort wird oft die Qualität des Essens kritisiert. „Ich kann dazu wenig sagen“, meint er. "23 Monate Gefangenschaft und 7 Monate Hunger haben mich geprägt. Ich esse alles!“ Ein Lieblingsgericht hat er aber doch: Rösti. Auch die Suppen findet er besonders lecker.

In seiner Jugend fuhr er noch mit dem Pferdegespann. Dann gab es die ersten Autos. Als der Krieg begann, hatte er bereits den Führerschein. Er wurde zu einer motorisierten Einheit einberufen. „Das war ein großer Vorteil“, meint er. „Drei Jahre lang war ich Fahrer und ständiger Begleiter von fünf Vorgesetzten. In Frankreich wurde ich als Dolmetscher bei Verhandlungen mit drei Bürgermeistern gebraucht. Das war eine interessante Tätigkeit. 1944 war ich zwischen Aachen und Köln im Einsatz. Dort kam ich in Gefangenschaft."

Über sein Leben und seine Erlebnisse im Krieg hat er ein Buch geschrieben. „Nicht für die Öffentlichkeit“, winkt er ab. „Nur für meine Kinder.“

"Als Bewohnerbeirätin muss ich ab und zu auch mal meckern."

Seniorin in ihrem Zimmer im Luise-Schleppe-Haus

Seit 54 Jahren lebt Eleonore Lörcher bereits in Stammheim, die meiste Zeit in einem Bauernhaus in der Kornwestheimer Straße. Seit 2011 wohnt sie im Luise-Schleppe-Haus. Die 85jährige ist Vorsitzende des Bewohnerbeirats und engagiert sich im Heimparlament.

„Ich kann selbst bestimmen, was ich möchte und was nicht,“ sagt Eleonore Lörcher. „Manche Bewohner können das nicht mehr. Die will ich vertreten. Deshalb habe ich mich in den Bewohnerbeirat wählen lassen.“ Konkret heißt das: Sie nimmt die Anliegen der Bewohner auf und gibt sie weiter.

Wenn Bewohner unzufrieden sind, geht es oft um’s Essen. Kein Wunder! Geschmäcker sind verschieden. Ein Beispiel: „Heute gab es einen Kartoffelauflauf mit Soße darüber. Meine Tischnachbarin fand das ganz prima. Ich hätte auf die Soße gern verzichtet“, berichtet Eleonore Lörcher. Die Mitglieder des Bewohnerbeirats treffen sich regelmäßig mit dem Heimleiter und der hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin. In der „Essensgruppe“ können sie Kritik loswerden und ihre Wünsche formulieren, z. B. dass die Soße extra gereicht wird, dass es frischen Salat gibt statt Gemüse oder dass beides zur Auswahl steht.

Als Vertreterin der Bewohner sitzt Eleonore Lörcher auch im Heimparlament. Dort werden Themen, die das Seniorenheim betreffen, öffentlich diskutiert. Bei einer Sitzung wurde über Sexualität im Heim gesprochen. Das Thema war breit angelegt. Es ging um Beziehungen zwischen Bewohnern, um sexualisierte Sprache und um Schutz der Intimsphäre. Grenzachtung war ein wichtiger Aspekt. Das Thema hat sensibilisiert. „Das ist gut“, findet Eleonore Lörcher. Sie weiß aus eigener Erfahrung: „Es ist schon schwer genug, wenn man sich helfen lassen muss. Umso wichtiger ist es, dass Grenzen geachtet und die Intimsphäre geschützt werden.“

Trotz vieler Aktivitäten, am wohlsten fühlt sich Eleonore Lörcher in ihrem Zimmer. Hier sitzt sie gerne am Tisch, umgeben von ihren vertrauten Sachen und liest Zeitung. Viele Fotos aus ihrem Leben schmücken die Wand. Die meisten davon hat sie selbst aufgenommen. Sie zeigen ihren verstorbenen Mann, ihren Sohn und die Pferde, die die Familie früher besaß. Viele Erinnerungen sind damit verbunden.

Aufgewachsen ist Eleonore Lörcher in Hofen am Max-Eyth-See. In ihrer Jugend hat sie den Krieg erlebt und viel Arbeit. Bei Kaisers Kaffee Geschäft war sie als Verkäuferin beschäftigt. Zu ihren Aufgaben gehörte das Ausfahren der Ware. Von der Hauptfiliale in der Tübinger Straße bis zum Hölderlinsplatz. „Nicht mit dem Auto. Mit dem Handwägele!“