11. Heimparlament widmet sich der kulturellen Vielfalt in unserer Gesellschaft

Am 25. August steht auf dem Programm des Heimparlaments von Luise-Schleppe-Haus und Schloss das Thema Migration und seine Auswirkungen auf die Gesllschaft und das direkte Umfeld.

Zunächst führt Inge Mugler, Referentin für "Integration und interkulturelle soziale Arbeit " im Diakonischen Werk, mit einen interessanten Überblick über die jüngere Migrationsgeschichte Deutschlands ins Thema ein.

Menschen aus fremden Herkunftsländern kommen nicht erst seit kurzem nach Deutschland. Die jüngere Migrationsgeschichte beginnt mit Ende des 2. Weltkriegs. 1945 bis 1960 kommen 12 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus Osteuropa. Mitte der 50er Jahre beginnt das organisierte Anwerben von ausländischen Arbeitskräften, den sogenannten "Gastarbeitern". Da die Politik zunächst von einer kurzen Verweildauer ausgeht, werden keinerlei Integrationsmaßnahmen wie Sprachkurse durchgeführt. In den 70er Jahren ziehen dann auch die Familien der Gastarbeiter nach.

Es folgen die von Deutschland geförderte Einwanderung Deutschstämmiger aus Osteuropa sowie der Zuzug aus den Balkanstaaten im Zusammenhang mit der Balkankrise in den 90er Jahren. Parallel dazu nehmen auch rechtsextremistische Tendenzen in Deutschland zu.  

Das Dublin-Abkommen, das besagt, dass Asylsuchende nur dort ihren Antrag stellen können, wo sie die EU betreten, lässt die Zahl der Asylbewerber in Deutschland drastisch sinken. Erst seit Beginn des neuen Jahrtausends beginnt in Deutschland mit der Reform des Staatsangehörigenrechts ein Umdenken.

2005 erfolgt die offizielle Anerkennung Deutschlands als Einwanderungsland. Erst seitdem gibt es eine staatlich geförderte Integration z. B. durch Sprachkurse. 2014 leben in Deutschland insgesamt 81 Millionen Menschen, von denen 16,4 einen Migrationshintergrund haben. In Stuttgart selbst mit insgesamt 600.000 Einwohnern besitzt fast ein Viertel ausländische Staatsangehörigkeit, während sogar 40 % einen Migrationshintergrund haben. In Stammheim leben zu dieser Zeit mit etwa 20 % etwas weniger ausländische Menschen als in Stuttgart gesamt. Seit 2014 steigt die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland insbesondere durch das Eintreffen von Kriegsflüchtlingen aus Syrien.

Nach dem historischen Überblick wird in das eigene Umfeld geschaut: Auch im Stammheimer Mehrgenerationenhaus, dem Luise-Schleppe-Haus/Schloss angehören, leben und arbeiten Menschen, die sich von ihrer Herkunft und ihrer Kultur unterscheiden. In der evangelischen Kita ist die Anzahl der Kinder mit Migrationshintergrund steigend.

Um ein friedliches Miteinander zu fördern, werden bereits gemeinsame Aktivitäten durchgeführt wie interkulturelle Feste und Ausflüge. Es wird beschlossen hier künftig mehr zu tun und ein Erzählcafé als Forum eines interkulturellen Austauschs einzurichten.

Alle sind sich einig: Es gilt prinzipiell, nicht nur die Probleme im Umgang miteinander zu sehen, sondern auch die Chancen eines interkulturellen Miteinanders. In Arbeitsgruppen zu verschiedenen Aspekten im Zusammenleben der Kulturen wird dies an vielen konkreten Beispielen deutlich.