"Roboter in der Pflege" im Heimparlament

Das 22. Treffen des Heimparlaments im Luise-Schleppe-Haus hat ein spannendes Thema: Roboter in der Pflege. Birgit Graf vom IPA/Fraunhofer Institut ist zu Gast und gibt einen Überblick.

In gut strukturierter Weise informiert die Referentin über den vielfältigen Einsatz von Robotern in der Arbeitswelt sowie in der Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen. So staunen die Teilnehmer und Gäste des Heimparlaments nicht schlecht, als sie erfahren, wie vielseitig Roboter Mobilität unterstützen können. Rollstühle, die Treppen steigen können oder Systeme, die einzelne Armbewegungen stützen, sog. Exoskelette, Stützstrukturen, die am Körper getragen, Bewegungsabläufe kraftschonend ausführen lassen.

Wie schwierig es ist, auf den Menschen zugeschnittene Assistenzroboter passgenau zu entwickeln, zeigt Frau Graf an einigen Beispielen auf. Es dauere noch Jahrzehnte bis zu deren realen Einsatz. Vieles ist noch im Forschungsstadium und zu teuer oder zu wenig ausgereift, um in Produktion zu gehen.

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA forscht seit 20 Jahren am Care-O-Bot. Während Care-O-Bot 3 mit Roboterarm hinten für Hol- und Bring-Dienste im Butler-Design entwickelt wurde, kann man den Care-O-Bot 4 im Saturn-Markt bereits als Wegbegleiter im Einsatz erleben, der den Kunden zu den gesuchten Produkten begleitet.

In der Interaktion mit Menschen weiter entwicklet, ist er als Getränkelieferant im Pflegeheim getestet worden. Das kann in der Pflege sehr zur Entlastung des Personals beitragen, dem es ansonsten obliegt, den Bewohner immer wieder an das Trinken zu erinnern. Der Vorteil des Roboters: Er bleibt immer freundlich und nimmt es nicht persönlich, wenn sein Rat nicht befolgt wird.

Es gibt Roboter im Alltagseinsatz, denen man einen praktischen Wert kaum absprechen kann: Reinigungsroboter, Desinfektionsgeräte und Bodenreiniger sowie intelligente Transportwagen sind bereits in Kliniken im Einsatz. Hebehilfen, Lifter und Exoskelette können Pflegekräfte im Pflegealltag rückenschonend unterstützen. Auch dem kindlich und freundlich wirkenden Pepper und Nao kann man einen praktischen Nutzen kaum absprechen: In Japan vermehrt eigesetzt, aktivieren sie Menschen z. B. zu gymnastischen Übungen oder unterhalten sie.

Eine andere Art sind ethisch eher ambivalent gesehene emotionale Roboter wie die Robbe Paro. In der Gestalt eines Robbenbabys reagiert Paro auf Berührungen mit Anheben des Kopfes, Augenaufschlag und Lauten, die Kommunikation simulieren. Im Einsatz mit stark demenzkranken Menschen soll die Robbe Interaktionen hervorrufen, Erinnerungen und Wohlbefinden aktivieren und beruhigend wirken.

Die Resonanz der Zuhörer auf den Vortrag fällt erstaunlich positiv aus. In Arbeitsgruppen erarbeiten die Heimparlamentarier mit Bewohnern und Gästen Ideen, was sie sich noch an nützlichen Tätigkeiten von Robotern im Pflegealltag vorstellen können: Roboter, die Angebote im Haus kommunizieren und Bewohner zu diesen begleiten; Transportroboter, die Aufzug fahren und Pflegematerialien dorthin bringen, wo sie benötigt werden; Roboter, die den Bewohnen Schuhe anziehen helfen... Die Ideen sprudeln. Klar, gibt es hier und da ethische Bedenken: Der Mensch soll nicht ersetzt werden, Personal nicht abgebaut werden.

Birgit Graf dankt allen für die Anregungen. Zurzeit arbeiten IPA und Evangelische Altenheimat zusammen am Projekt RoPHa und prüfen den Einsatz von Assistenzsystemen im Alltag von auf Unterstützung angewiesener Menschen im häuslichen Umfeld. Ein zweitägiger Ethikworkshop im Februar 2018 hat technische Grenzen, soziale und ethische Fragestellungen reflektieren lassen. Die Vorbereitung, das Anrichten und insbesondere das Anreichen von Essen gelingen bisher nicht vollständig. "Es gibt einfach Dinge, die der Roboter mit seinen Sensoren nicht gut erkennen kann, was dem Menschen einfach fällt...", kommentiert Birgit Graf. Diese Erkenntnis ist ernüchternd und beruhigend zugleich für den Menschen!